Ein kleiner Einblick in die Rehkitzrettung am Beispiel der engagierten Hege der Jägerschaft Polßen

    Gerettete Kitze

    Die Frühjahrsmahd findet im Zuge der ordnungsgemäßen Landwirtschaft statt und ist notwendig, um qualitativ hochwertiges Futter zu ernten. Zur Einhaltung der Tierschutzgesetze sind die Bewirtschafter verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass während der Mahd möglichst kein Wildtier verletzt oder getötet wird. Da das Aufsuchen, Nachstellen und Fangen von Wild Jagdausübung sind, ist aktive Wildtierrettung nur mit Einverständnis der örtlichen Jägerinnen und Jäger möglich. Die Jäger der Jägerschaft Polßen sind auch in diesem Jahr wieder sehr engagiert bei der Kitzrettung unterwegs. Auf einer Fläche von 300 h konnten an 10 Suchtagen insgesamt 46 Rehkitze gefunden und während der Mahd gesichert werden. Auch in den nächsten Wochen werden die Suchen fortgeführt. Zum Vergleich: 2025 wurden an 5 Einsatztagen 29 Rehkitze gerettet. Dieses Jahr half dabei die neu erworbene Wärmebilddrohne DJI Matrice 4T – eine große Erleichterung im Gegensatz zu früheren Jahren. Bislang musste mit hohem personellen Aufwand und mit dem Einsatz von Hunden die Felder abgelaufen werden.

    Die Drohne mit Wärmebildkamera wurde für die Kitzrettung durch den Jagdverband Ost-Uckermark, mithilfe des Förderprogramms des Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, angeschafft.

    Ein paar erklärende Worte zum Ablauf der Rehkitzrettung: Für die Suche mit dieser Drohne ist der Einsatz in den frühen Morgenstunden besonders effektiv. Wenn die Luft und die Pflanzen noch kühl von der kalten Nacht sind, heben sich die wärmeren Tierkörper besonders gut von ihrer Umgebung ab. Mit zunehmendem Tageslicht und aufgehender Sonne lässt dieser Wärmekontrast nach.

    Daher wird in den frühen Morgenstunden begonnen, wenn es noch möglichst kühl ist und sich die warmen Rehkitze deutlich von der kühlen Wiese im Bild der Wärmebildkamera abheben. Los geht es meist in der Dämmerung um 4 Uhr morgens. Für die Suche auf 40-60 ha benötigt man meist drei Stunden. Im Durchschnitt sind die Jäger mit acht Leuten im Einsatz: Der Drohnenpilot steuert die Drohne, während der Funkkoordinator die Suchenden an die richtige Stelle lotst. Hinzukommen zwei Leute, welche die Kisten für die Verwahrung zubringen. Jeweils zwei Zweier- Suchteams laufen vorsichtig durch die hohe Wiese und setzen die Kitze mithilfe von dicken Handschuhen und Grasbüscheln aus der Wiese in die Kisten. Die Handschuhe und Grasbüschel sind notwendig, damit der menschliche Geruch nicht am Kitz zurück bleibt. Nur so kann man sicher sein, dass die Ricke ihr Kitz später wieder annimmt. Auf den großen Schlägen werden die Kisten gut sichtbar markiert und am Fundort stehen gelassen. Bei kleineren Flächen können die Kisten auch am Rand abgestellt werden. Ist die gesamte Fläche abgesucht und alle Kitze geborgen, kann sich der Landwirt im Anschluss beruhigt um die Mahd kümmern. Nach Ablauf der Mahd werden die Kitze wieder aus den Kisten genommen, in die Wiese gesetzt und von den Ricken innerhalb kurzer Zeit wieder angenommen und versorgt.

    Wir danken allen Jägerinnen und Jägern des Jagdverbandes Ost-Uckermark und allen Helfenden für ihren tatkräftigen Einsatz!

    Text: Sebastian Völker, Katarina Reichmann, Marco Usadel

    Fotos: Sebastian Völker

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